· 

Die Esskultur der letzten 100 Jahre

Wie hat sich die Esskultur der menschen in den letzten 100 Jahren entwickelt?

Gesellschaften befinden sich in stetem Wandel, ein Teil davon ist ihre Esskultur. Ausschlaggebende Faktoren die zu einem Wandel führen sind klimatische, soziokulturelle, technische und politische Veränderungen.

Migrationsbewegungen, Entdeckung neuer Kontinente und Handelswege, Kriege und Kolonialisierungen, Industrialisierung der Landwirschaft, sowie die fortschreitende Globalisierung und Digitalisierung, haben Einfuss auf das, was wir essen, wie und wann wir essen und wer oder was es erzeugt.

Food Trends der heutigen Zeit sind lediglich Ausdruck von Wohlstandsgesellschaften in denen alle Grundbedürfnisse erfüllt sind. 
Die Märkte sind gesättigt, der Mangel ist nicht bestimmend sondern der Überfluss, welcher eine Suchbewegung auslöst. 

Diese Suchbewegungen können auf das Lösen von Problemen abzielen, zur Orientierung im unübersichtlichen Angebot der Märkte und Meinungen aber auch zur Befriedigung von Sehnsüchten.
Des weiteren werden neue Geschäftsmodelle, Produkte und Services gesucht, erprobt und etabliert. 

In den 1920er Jahren begann die "Dosenrevolution". Es kamen zunehmend verpackte und haltbargemachte Lebensmittel auf den Markt.
Um 1940 wurde aufgrund des Krieges das Essen regional zwangs-rationiert.

Nach dem zweiten Weltkrieg amerikaniserte sich die deutsche Esskultur. Statt Sauerbraten gab es Toast Hawaii.

In den 1960er Jahren, zu Zeiten des Rock'n Roll waren Fondue und Cocktail Partys in und die italienische Küche erobert die US Küche.

Ein Jahrzehnt später entsteht der Fast Food Hype. Mc Donalds und Co sowie Pizzerien boomen. Gleichzeitig werden die Lebensmittel zunehmend industrialisiert. So genanntes Convenience Food -- Tiefkühlgerichte kommen vermehrt auf den Speiseplan. 

Ein weiterer Trend in den 1970er- 1990 Jahren ist Ethnofood wie Sushi, Kebab, Pizza, Pasta, Tex Mex etc. Welches in den folgenden Jahren weitere Veränderungen erfährt. 

Ab den 1990er Jahren breitet sich BIO in Deutschland und Österreich aus. Weiterhin kommen Ethno-Foods hinzu, wie Ruccola und Mozzarella und China Restaurants. 
In der amerikanischen Landwirtschaft wird begonnen Gentechnik einzusetzen bei Mais, Soja und co.

Durch die zunehmende Globalisierung erreichen auch exotische Lebensmittel die Supermärkte. Der Vegetarismus wird populärer und der Fleischkonsum wird durch den BSE Skandal hinterfragt.
In den USA entsteht zu der Zeit der LOW FAT und Diet Coke Hype. 

Zur Jahrhundertwende wird die Ess-thetik wichtiger. Wie das Essen aussieht und auf welchem Geschirr es serviert wird gewinnt an Bedeutung. Durch das Internet wird begeistert über Essen gebloggt. 
Der Wunsch nach regionaler Kost kommt wieder in Erwägung. 
Durch die Einführung von regionalen Bio-Standards wird "organic" in den USA populär.

Supplemente sowie Functional Foods beginnen den Markt weiter zu erobern und Low Carb löst Low Fat ab.

Den Hashtag #foodporn ermöglicht erst der technische Fortschritt und soziale Medien wie Instagram. Lokale Lebensmittel werden immer wichtiger, urbane Gärten werden angelegt, Food Trucks und Street Food wird populär und Superfoods wie Chiasamen, Quinoa etc. werden vermarktet. 

Seit 2015 bis heute wird weniger gekocht und mehr bestellt. Lieferdienste und Service Kochboxen werden vom vom Verbraucher in der Leistungsgesellschaft gewünscht um den hart arbeitenden Familienmenschen zu entlasten. 
Ein weiterer Meilenstein war die Herstellung des ersten in-vitro Burger der die Zukunft der Fleischproduktion werden soll. Zudem werden pflanzliche Produkte immer mehr konsumiert und gelten als gesund.

 

Aktuell: Bislang wurde gesunde Ernährung immer mit Askese in Verbindung gebracht. Die Bewegung des Healthy Hedonism vereint jetzt schlemmen mit gesunder Ernährung. Die Basis ist ein bewusster und ausgewogner Lebensstil.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0