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Werte, Disziplin, Training und Philosophie

Chris, warum bist du eigentlich so diszipliniert und beharrlich mit deinem Training? 

Wer keine Lust hat zu lesen wie ich ein paar allgemeine Prinzipien und Werte anhand meiner Biographie herleite kann gerne bis an das Ende des Artikels springen.

Das ist die Frage, die ich mir in letzter Zeit selber gestellt habe. Prinzipiell wollte ich sie eigentlich nur mir selber beantworten, dachte mir aber, dass es für den ein oder anderen vielleicht einen Mehrwert bietet. Was unterscheidet mich von anderen Menschen? Was hält mich im wahrsten Sinne des Wortes bei der STANGE?

Zunächst, denke ich bin ich mit einem angeborenen, recht starken Bewegungstrieb auf die Welt gekommen. Hinzu kommt eine gute Auffassungsgabe für Bewegungsmuster. Das heißt aber noch lange nichts. Macht vielleicht 20% aus. Jedes Kind hat einen Bewegungstrieb und ein Recht darauf sich über Bewegung Ausdruck zu verschaffen. Wichtig ist, dass dieser natürliche Impuls adäquat gefördert und gefordert wird. Am besten die Eltern leben es vor. Wenn nicht, dann wenigstens fördern durch Mitgliedschaften in Vereinen oder sonst wo.

Durch die modernen digitalen Medien wird dies in jungen Jahren zunehmend schwieriger. Die überaus wichtigen sensitiven Phasen in der Entwicklung werden verpasst. Der kindliche Körper verkümmert schon in viel zu jungen Jahren. Dies lässt sich im späteren Leben nicht wieder aufholen. Ein Trauerspiel unserer heutigen Welt.

Schnell konnte ich Dinge, die Kinder vielleicht erst in späteren Lebensmonaten lernten. Da ich von klein auf immer sehr aktiv war, fast sogar etwas hyperaktiv wie meine Mutter vermutete, habe ich sie ordentlich auf Trab gehalten. Viel mehr Bewegungstrieb = viel mehr Bewegungszeit = viel mehr spielerisches Training und Grenzerfahrungen. 

Meine Eltern, nicht gerade Leistungssportler, erkannten dennoch, dass ihr Junge sich gerne bewegt und haben mich später in einen Leichtathletikverein gebracht. Neben dem Vereinssport spielte ich wie jeder Junge natürlich gerne Fußball. Ein wenig geschwommen habe ich auch. Bis heute allerdings mit keiner guten Technik. Wassersportarten haben also keinen großen Reiz auf mich gehabt. Dies mag aber auch mit einer schlechten Erfahrung mit einer Schwimmlehrerin zu tun haben.

In einer Zeit aufgewachsen in der es doch noch recht analog zu ging, habe ich viel im Freien gespielt. Ich hatte auch einen leichten Zugang zu Garten, Bäumen, Wäldern und konnte mich dort frei austoben. Ich bin auf Bäume geklettert, habe Fangen gespielt, bin über Bäche gesprungen, durch Bäche gewandert, habe Löcher gebuddelt, bin Kickroller gefahren, über Mauern gegangen, Fahrrad gefahren und vieles mehr.

So hatte ich neben dem Vereins- und Schulsport täglich die Möglichkeit, aber auch den Drang mich körperlich zu betätigen. Dadurch hatte ich viel spielerisches Training. 

Beim Leichtathletik hat sich herausgestellt, dass ich recht gut sprinten und springen kann. Dies wurden dann später auch meine vorrangigen Disziplinen. 100 Meter Sprint und Hochsprung.
So war ich bei den Bundesjugendspielen in der Schule immer unter den Besten 5. 
Bei den Turnfesten in der Schule teilte ich mir das Reck nur mit 2 weiteren Schülern. Alle anderen sind mehr auf dem Schwebebalken rumgetänzelt oder vor Kästen gesprungen.

Ich habe mich schon immer mehr zu explosiven und kraftorientierten Disziplinen hingezogen gefühlt. Dies mag wohl an meiner muskulären Faserverteilung liegen. Ich habe anscheinend mehr schnell-, als langsamkontrahierende Muskelfasern. Alles ausdauernde zermürbt mich noch bis heute. 

Allerdings bin ich trotz meines athletischen Talentes kein Leistungssportler geworden. Bis heute noch fällt es mir schwer unter extremen Leistungsdruck zu trainieren. Mein Ego versucht es immer wieder, um dann doch zu merken das es für mich nicht funktioniert. 

Aus diesem Grund verfolge ich auch keinen Trainingsplan und trainiere rein intuitiv. Auch das war für mich ein langer Lernprozess der immer noch nicht gänzlich abgeschlossen ist.

Selbstverständlich habe ich lange nach Plänen trainiert, auf Wettkämpfe und Turniere hingearbeitet, konnte aber nie mein volles Potenzial abrufen.

Heute schätze ich den spielerischen und intuitiven Teil am Training, allgemein an Bewegung sehr. Es kommt mir mehr darauf an mich zu spüren, im Moment zu sein, mit netten Leuten Grenzen auszutesten, Erfahrungen zu machen und vor allem Spaß bei der Sache zu haben.

Neben Fußball habe ich auch American Football als Teamsportart über 4 Jahre gespielt. Dort wurden meine Fähigkeiten schnell zu rennen und dabei noch einen Ball fangen zu können sehr geschätzt.

Das war so mit ca. 15 Jahren. Vorher ist Tackle Football nicht erlaubt. 
Ich war schnell, groß und ziemlich dürr. Schnelligkeit und Größe waren als Wide Receiver von Vorteil. Dürr sein jedoch nicht. 

So begann meine Karriere im Fitnessstudio. Angetrieben von dem Wunsch kein Lauch mehr zu sein und beim Tackling nicht immer auf die Fre*** zu bekommen. Die Möglichkeiten der Informationsbeschaffung waren zu der Zeit noch recht begrenzt. Ich hatte also keinen Zugang zum Internet. Der Fitnesshype war auch noch nicht so stark wie heute.

Ich hatte schon immer einen sehr niedrigen Körperfettanteil. Für ein Sixpack brauchte ich also nicht viel tun. Recht viel Kraft, besonders Relativkraft hatte ich auch. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich mit 7 Jahren Klimmzüge an meinem Hochbett machte ohne zuvor einmal darin geschlafen zu haben.

Was ich brauchte und wollte, war mehr Gewicht und Muskelmasse. Natürlich auch angetrieben von pubertären Wünschen, sich profilieren zu wollen und über ein athletisches Körperbild aus der Masse herauszustechen. 

Nach ein paar Monaten Rumgetüftel mit irgendwelchen Trainingsplänen und Methodiken die man so aufgeschnappt hat kamen endlich auch die Hormone bei mir in Wallungen. Mit 17/18 Jahren konnte ich erstmals nennenswerte Muskelzuwächse erzielen.

Von da an Blut geleckt, durch ein gesteigertes Selbstbewusstsein, positiv gespiegelte Wahrnehmung durch Mitmenschen, trainierte ich munter vor mich hin. Leider mit weniger Verstand als ich es heute tun würde. Trotzdem merkte ich intuitiv was die wichtigsten Übungen waren um meine Leistungen und Zuwächse zu steigern. 

Zu der Zeit habe ich fast im Gym gelebt. Viel zu lange Trainingszeiten, würde ich heute sagen, aber ich hatte Spaß. Spaß daran meinen Körper zu formen, mein Potential zu verbessern. Ich war so stark intrinsisch motiviert das ich auch begann in meiner Freizeit Literatur zu lesen. Auf das Internet konnte ich dann auch endlich zugreifen. Durch den Sport Leistungskurs in der Schule kam ich mit Trainingslehre in Kontakt und lernte immer mehr. Angewendet habe ich es natürlich auch. Es funktionierte.

Der Fitnesslifestyle wurde zu einem festen und dominanten Lebensinhalt. Ich hatte in so vielen Lebensbereichen von meinen körperlichen aber auch charakterlichen Veränderungen profitiert. Das sind für mich bis heute noch die faszinierendsten und bedeutsamsten Faktoren weshalb ich selber trainiere und Spaß daran gefunden habe andere zu trainieren.

Das was metaphysisch mit Menschen passiert, wenn sie Freude an Bewegung haben oder diese dabei sind zu entwickeln ist der größte Schatz den ich entdeckt habe. Sie verändern sich in allen Lebensbereichen. Widerstandstraining zum Beispiel lehrt uns so vieles was wir im täglichen Leben benötigen. Mal abgesehen von den mannigfaltigen positiven gesundheitlichen Auswirkungen.

Ein weiterer entscheidender Moment war eine TV Sendung in der ich jemanden eine Human Flag machen sah. Ich fragte mich wie so etwas überhaupt möglich sei. Der Schwerkraft so den Mittelfinger zu zeigen. Zu meinen bis daher doch eher ästhetisch motivierten Trainingseinheiten kam der Performance Gedanke hinzu. Ich wollte auch etwas können nicht nur gut aussehen. Natürlich auch um krasser zu sein als die Dudes um mich herum.

Ich machte eine B-Lizenz beim Essener Sportbund und hatte vor  
danach als Trainer nebenbei zu arbeiten. Ich war also soweit nicht nur für mich selber zu trainieren sondern auch einigermaßen professionell andere zu coachen und auch ein wenig Geld zu verdienen.

Es kam dann doch etwas anders. Ich begann die Physiotherapie Ausbildung, was mich den menschlichen Körper nochmal unter einem anderen Licht betrachten ließ. Hatte also weiterhin nur Zeit für mich selber zu trainieren. Doch alles gelernte ist niemals umsonst.
Was Physiologie und Trainingslehre angeht hatte ich schon ein großen Wissensschatz, was mir in der Ausbildung sehr geholfen hat und mich vieles durch diesen Filter sehen ließ.

Um für die Flagge zu trainieren begann ich also analytisch und strategisch vorzugehen. Vertiefte mein Wissen in allen Bereichen. Das wichtigste Prinzip allerdings finde ich hat ein bekannter Sportartikelhersteller mit einem Slogan auf den Punkt gebracht: "JUST DO IT". Dies ist für mich bis heute die beste Herangehensweise. Einfach machen, machen und noch mehr machen. Bis es klappt. Je länger man auf etwas hinarbeitet desto größer ist die Befriedigung am Ende. Basis ist aber immer ein brennender Herzenswunsch der unheimlich stark ist und dir dabei hilft zu priorisieren.

Jede Veränderung beginnt mit einer Idee bzw. einer Vorstellung. Ist also zunächst im Geist und materialisiert sich dann in der physischen Welt. Deine Vorstellungskraft macht es möglich. Dein Unterbewusstsein arbeitet Seite an Seite mit deinem Bewusstsein.

1-2 Jahre später konnte ich die Flagge einigermaßen halten so das ich sogar ein Foto machen konnte. Mit dem Wissen, dass manche Dinge einfach sehr lange brauchen und viel Muße benötigen weiß ich heute das Beharrlichkeit ein wichtiger Faktor ist, auch bei der Umsetzung von beruflichen Zielen.

Neben dem nun mehr strategischen und strukturierten Vorgehen beim Training etablierte sich zunehmend ein therapeutischer Charakter. Bewegung ist Medizin! So entstand ein weiteres Motiv in mir, ich forme nicht nur meinen Körper oder kann Dinge die nur maximal 0,0001 % der Weltbevölkerung können sondern tue mir auch noch etwas Gutes.

So wurde mein athletisches Talent, mein erlangtes Wissen durch Versuch und Irrtum, angelesenes Fachwissen, die therapeutische Ausbildung zu einer Berufung bzw. zu meinem Beruf.

Der Bereich der bei mir noch recht rudimentär ausgebildet war, ich aber schon durch meine Eltern immer einen Draht zu hatte war das Thema Ernährung. Mittlerweile wusste ich wie und wo ich mich informiere und am besten Lerne. Lesen, ausprobieren, lesen, ausprobieren usw.

Nach der Ausbildung bildete ich mich professionell fort. Versuch und Irrtum wurden durch Gewissheit ersetzt. Ich erkannte die Individualität, erfuhr auch warum ich immer recht schlank war, trotz einem stark ausgeprägten Hunger und vielem Essen nicht zunahm. Ich machte nochmal deutliche Fortschritte, noch bis heute steigere ich meine Leistung. Die Basis ist die Ernährung!

Es ist aber keine rein Mittel-zum-Zweck Ernährungsweise wie beispielsweise bei einem Bodybuilder sondern ein intuitives Essen gemäß meines genetischen Erbes. Mein Ziel ist es Energie zu haben, gut zu Schlafen, ein robustes Immunsystem zu besitzen, mich wohl zu fühlen, mit meinem Körper in Einklang zu sein und natürlich auch Genuss.

Noch immer vertiefe ich mein Wissen wöchentlich, mache Erfahrungen durch Kunden in allen Bereichen. Meine Reise durch die Bewegungswelt wird niemals aufhören, ich werde mein inneres Feuer immer brennen lassen. Viel zu wichtig ist mir alles geworden. Dankbar für jeden Tag an dem ich mich bewegen kann, dankbar für jede Trainingseinheit und die Freude mit anderen Menschen diese Passion zu teilen sind weitere wichtige Meilensteine und Erkenntnisse meines Weges.

Heute leitet mich zunehmend ein Durst nach Neuem, ein Austesten meiner körperlichen Fähigkeiten. Wie schnell ich etwas lerne, was das mit meinem Körper macht, um dann letztendlich auch wieder andere daran teilhaben und profitieren zu lassen. 

Fazit: Mal abgesehen von den individuellen genetischen Unterschieden lassen sich denke ich ein paar allgemeine (nicht hierarchisch geordnete) Prinzipien/Konzepte/Werte erkennen. Die Werte waren entweder schon vorher fest in mir verankert oder sind durch das Training im Laufe der Zeit entstanden.

-- JUST DO IT
-- BRENNENDER HERZENSWUNSCH
-- SPAß 
-- COMMUNITY
-- ÄSTETHIK
-- ERNÄHRUNG
-- WISSEN 
-- (SELBST)BEWUSSTSEIN
-- VORSTELLUNGSKRAFT
-- ZIELE
-- BEHARRLICHKEIT 
-- VERTRAUEN
-- DURCHHALTEVERMÖGEN
-- PASSION
-- LIEBE
-- INTRINSISCHE MOTIVATION
-- BERUF(UNG)
-- INTUITION
-- NATUR
-- SPIEL
-- AUSDRUCK 
-- ERFOLGSERLEBNISSE
-- KÖRPERGEFÜHL
-- BEWEGUNGSINTELLIGENZ
-- FREUNDE & PARTNER
-- GRENZERFAHRUNG
-- GESUNDHEIT
-- DANKBARKEIT
-- ALTRUISMUS

 

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